Literaturrecherche für die Abschlussarbeit
Du hast dein Thema, hast die Hypothesen formuliert, und jetzt kommt der Teil, vor dem viele zurückschrecken: Du musst die Quellen finden. Irgendwo im Labyrinth von Google Scholar und der Unibibliothek musst du recherchieren, während du keine Ahnung hast, wo du anfangen sollst.
Die Literaturrecherche ist tatsächlich einer der zeitaufwändigsten Teile deiner Abschlussarbeit – aber sie muss nicht frustrierend sein. In diesem Artikel zeige ich dir genau, wo und wie du Quellen suchst, welche Strategien du anwendest und wie du das gesammelte Material organisierst.
Was du aus diesem Artikel lernst:
- ✓ Die wichtigsten wissenschaftlichen Datenbanken und ihre Nutzung
- ✓ Effektive Suchstrategien und Keyword-Techniken
- ✓ Wie du die Zuverlässigkeit von Quellen bewertest
- ✓ Nutzung von Literaturverwaltungsprogrammen (Zotero, Mendeley)
- ✓ Die "Schneeballmethode" und andere Profi-Tipps
- ✓ Wie viele Quellen du brauchst und welche Arten es sein sollten
Warum ist die Literaturrecherche wichtig?
Bevor wir zum praktischen Teil kommen, lass uns klären, warum du diese Phase nicht überspringen kannst.
Die Literaturübersicht ist nicht nur eine "Pflichtaufgabe" – sie dient mehreren Zwecken:
- Sie bildet die Grundlage deiner Forschung: Sie zeigt, was andere herausgefunden haben und wo sich deine Arbeit einordnet.
- Du vermeidest, das Rad neu zu erfinden: Du findest heraus, was bereits bekannt ist und was noch nicht erforscht wurde.
- Sie macht deine Arbeit glaubwürdig: Die Gutachter wollen sehen, dass du dich im Thema auskennst.
- Sie gibt dir Ideen: Die Methodik und Schlussfolgerungen anderer Forschungen können dich inspirieren.
- Sie unterstützt deine Argumentation: Du musst deine eigenen Aussagen mit wissenschaftlichen Quellen belegen.
Wichtig!
Bei der Bewertung deiner Abschlussarbeit fallen Qualität und Quantität der Literatur stark ins Gewicht. Wenn du nur Wikipedia und irgendwelche Blogs verwendest, führt das zu erheblichem Punktabzug – oder sogar zur Ablehnung.
Welche Arten von Quellen gibt es?
Nicht alle Quellen sind gleich. In der wissenschaftlichen Arbeit gibt es eine Hierarchie:
Primärquellen (primary sources)
Original-Informationen aus erster Hand. Dazu gehören:
- Originalberichte wissenschaftlicher Studien und Experimente
- Statistische Daten (Statistisches Bundesamt, Eurostat, Unternehmensberichte)
- Interviews, Umfragen (die du selbst durchführst)
- Rechtsdokumente, Gesetze
- Geschäftsberichte von Unternehmen
Sekundärquellen (secondary sources)
Analyse und Interpretation von Primärquellen:
- Fachbücher
- Übersichtsartikel (review articles)
- Lehrbücher
- Abschlussarbeiten, Dissertationen
Tertiärquellen (tertiary sources)
Zusammenfassungen und Systematisierungen von Sekundärquellen:
- Enzyklopädien
- Lexika
- Bibliographien
Was solltest du in deiner Abschlussarbeit verwenden?
Hauptsächlich Primär- und Sekundärquellen. Tertiärquellen (z.B. Wikipedia) sind gut, um einen Überblick über ein Thema zu bekommen, aber du kannst sie nicht in deiner Arbeit zitieren.
Der optimale Mix ist normalerweise: 60-70% wissenschaftliche Artikel, 20-30% Fachbücher, 10% andere verlässliche Quellen (Statistiken, offizielle Dokumente).
Die besten wissenschaftlichen Datenbanken
Jetzt schauen wir uns an, wo du suchen solltest. Diese Datenbanken solltest du kennen:
1. Google Scholar (scholar.google.com)
Was ist das? Googles wissenschaftliche Suchmaschine, die speziell wissenschaftliche Publikationen indexiert.
Vorteile:
- Kostenlos und für alle zugänglich
- Riesige Datenbank – du findest fast alles
- Zeigt dir, wer den Artikel zitiert hat (Zitierhäufigkeit = Qualitätsmerkmal)
- Einfache Suchoberfläche, die du schon kennst
- Schlägt auch verwandte Artikel vor
Nachteile:
- Viele Artikel sind nur als Abstract verfügbar (für den Volltext musst du bezahlen)
- Filtert nicht nach Qualität – du findest auch zweifelhafte Quellen
Pro-Tipp:
In den Google Scholar-Einstellungen kannst du die Bibliothek deiner Uni angeben ("Library links"). So wird dir automatisch der Zugangslink angezeigt, wenn deine Uni einen Artikel abonniert hat.
2. Scopus
Was ist das? Eine der größten Abstract- und Zitationsdatenbanken, betrieben von Elsevier.
Vorteile:
- Enthält nur qualifizierte, peer-reviewte Zeitschriften
- Hervorragende Such- und Filtermöglichkeiten
- Detaillierte Zitationsdaten
- Autorenprofile – sieh dir alle Publikationen eines Forschers an
Nachteile:
- Kostenpflichtig – du brauchst Uni-Zugang
- Hauptsächlich englischsprachige Quellen
3. Web of Science
Was ist das? Eine der ältesten und angesehensten wissenschaftlichen Datenbanken, betrieben von Clarivate Analytics.
Vorteile:
- Strenge Qualitätsfilterung – nur Top-Zeitschriften
- Impact Factor Daten (Ranking von Zeitschriften)
- Hervorragende Zitationsanalysen
Nachteile:
- Kostenpflichtig – du brauchst Uni-Zugang
- Kleinere Abdeckung als Scopus
4. JSTOR
Was ist das? Digitale Bibliothek, besonders stark in Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und Wirtschaft.
Vorteile:
- Auch ältere Zeitschriften sind verfügbar (Archiv)
- Volltextsuche
- Auch Buchkapitel verfügbar
5. EBSCO
Was ist das? Plattform, die mehrere Datenbanken bündelt (Business Source Complete, Academic Search Complete, etc.).
Vorteile:
- Hervorragend für Wirtschafts- und BWL-Studiengänge
- Viele Volltextartikel
- Deutsche Unis haben meist ein Abo
6. ResearchGate
Was ist das? Soziales Netzwerk für Forscher, wo viele ihre Publikationen hochladen.
Vorteile:
- Kostenlos
- Du kannst direkt beim Autor nach dem Artikel fragen
- Auch Vorabpublikationen (preprints) verfügbar
7. Universitäts-Repositorien
Die meisten Unis haben ein eigenes digitales Archiv, wo frühere Abschlussarbeiten und Dissertationen verfügbar sind. Diese können gute Ausgangspunkte sein.
| Datenbank | Kostenlos? | Am besten nutzen für |
|---|---|---|
| Google Scholar | Ja | Erste Suche, Überblick |
| Scopus | An der Uni | Qualitätsartikel, Zitierhäufigkeit |
| Web of Science | An der Uni | Top-Zeitschriften, Impact Factor |
| JSTOR | An der Uni | Sozialwissenschaften, Archiv |
| EBSCO | An der Uni | Wirtschaftsthemen |
| ResearchGate | Ja | Kontakt zu Forschern |
Effektive Suchstrategien
Es reicht nicht, zu wissen, wo du suchst – auch das Wie ist wichtig. Hier sind einige bewährte Techniken:
1. Die richtigen Keywords wählen
Der Erfolg deiner Suche hängt von der richtigen Wahl der Suchbegriffe ab. Ein paar Tipps:
- Nutze Synonyme: Such nicht nur nach einem Begriff. Z.B. neben "Home Office" such auch nach "Remote Work", "Telearbeit", "Fernarbeit".
- Englische Keywords: Die meisten wissenschaftlichen Publikationen erscheinen auf Englisch. Übersetze deine Suchbegriffe.
- Fachsprache vs. Alltagssprache: Statt "Mitarbeiterzufriedenheit" probier: "employee satisfaction", "job satisfaction".
2. Verwendung von Booleschen Operatoren
Die meisten Datenbanken unterstützen diese speziellen Suchoperatoren:
AND – enthält beide Begriffe: "remote work" AND "productivity"
OR – enthält einen der Begriffe: "home office" OR "remote work"
NOT – schließt den Begriff aus: "marketing" NOT "digital"
" " – exakte Phrase: "employee engagement"
* – Trunkierung: sustain* (sustainability, sustainable, etc.)
3. Die "Schneeballmethode"
Das ist eine der effektivsten Techniken. So funktioniert sie:
- Finde ein oder zwei sehr relevante Artikel zu deinem Thema.
- Schau dir das Literaturverzeichnis dieses Artikels an – diese Quellen könnten auch relevant sein (Rückwärts-Schneeballverfahren).
- Schau, wer diesen Artikel zitiert hat (in Google Scholar: "Zitiert von") – das sind neuere, verwandte Forschungen (Vorwärts-Schneeballverfahren).
- Wiederhole das mit den neuen relevanten Artikeln.
Mit dieser Methode wächst deine Quellenliste exponentiell und du findest garantiert relevante Artikel.
4. Filtermöglichkeiten nutzen
Die meisten Datenbanken bieten Filtermöglichkeiten:
- Jahr: Filtere auf die letzten 5-10 Jahre für aktuelle Quellen
- Dokumenttyp: Artikel, Buch, Konferenzbeitrag, etc.
- Sprache: Bei Bedarf nach Sprache filtern
- Peer-reviewed: Nur begutachtete Artikel
- Volltext: Nur Artikel mit Volltext-Zugang
Wie bewertest du die Zuverlässigkeit von Quellen?
Nicht alles, was im Internet steht, ist zuverlässig. Hier ist, worauf du achten solltest:
Peer-Review (Begutachtung)
Das wichtigste Qualitätsmerkmal. Peer-reviewte Artikel werden vor der Veröffentlichung von unabhängigen Experten bewertet. Wenn ein Artikel in einer peer-reviewten Zeitschrift erschienen ist, ist das eine Garantie für Qualität.
Impact Factor
Eine Methode zur Bewertung von Zeitschriften. Je höher, desto angesehener die Zeitschrift. (Wird in Scopus und Web of Science angezeigt.)
Zitierhäufigkeit
Wenn ein Artikel oft zitiert wurde, bedeutet das normalerweise, dass er im Fachgebiet wichtig ist. Aber Achtung: Neue Artikel haben noch keine Zitierungen – das heißt nicht, dass sie schlecht sind.
Hintergrund des Autors
Wer hat es geschrieben? Ein Uni-Forscher? An welcher Institution arbeitet er/sie? Hat er/sie weitere Publikationen zum Thema?
Aktualität
In schnelllebigen Bereichen (z.B. Technologie, Marketing) können Quellen, die älter als 10 Jahre sind, bereits veraltet sein. In stabilen Bereichen (z.B. Theorien) sind auch ältere Klassiker wertvoll.
Das solltest du nicht zitieren!
- • Wikipedia (guter Ausgangspunkt, aber keine zitierfähige Quelle)
- • Irgendwelche Blogs und Webseiten
- • Nicht begutachtete Online-Artikel
- • Veraltete Quellen (wenn es neuere gibt)
- • Publikationen zweifelhafter Verlage ("predatory journals")
Literaturverwaltungsprogramme: Zotero und Mendeley
Wenn du kein Literaturverwaltungsprogramm nutzt, wird das Leben viel schwieriger. Diese Programme:
- Speichern und organisieren deine Quellen
- Generieren automatisch Zitate
- Erstellen das Literaturverzeichnis
- Synchronisieren über mehrere Geräte
Zotero
Vorteile:
- Komplett kostenlos (mit 5 GB Speicher)
- Open Source
- Hervorragende Browser-Integration
- Word und Google Docs Plugin
- Unterstützung für Gruppenarbeit
Mendeley
Vorteile:
- Eingebauter PDF-Reader und Annotation
- Social Features – sieh, was andere lesen
- Moderne, intuitive Oberfläche
- 2 GB kostenloser Speicher
Wie nutzt du sie?
- Installiere das Programm und die Browser-Erweiterung
- Wenn du eine gute Quelle findest, klick auf die Erweiterung – sie wird automatisch gespeichert
- Organisiere in Ordnern (nach Themen, Kapiteln)
- Nutze beim Schreiben das Word/Docs-Plugin für Zitate
- Generiere am Ende automatisch das Literaturverzeichnis
Wie viele Quellen brauchst du?
Die genaue Zahl variiert je nach Uni, aber hier ist eine allgemeine Richtlinie:
| Arbeit | Empfohlenes Minimum |
|---|---|
| Bachelor (BA/BSc) | 15-25 Quellen |
| Master (MA/MSc) | 30-50 Quellen |
| Promotion (PhD) | 100+ Quellen |
Aber konzentrier dich nicht nur auf die Quantität! Qualität und Relevanz sind wichtiger. 20 sehr relevante, hochwertige Quellen sind besser als 40 schwache.
Quellen lesen und Notizen machen
Die Quellen zu finden ist nur der erste Schritt. Danach musst du sie auch lesen – und das ist zeitaufwendig. Ein paar Tipps zum effektiven Lesen:
1. Lies nicht alles komplett!
Lies zuerst:
- Titel und Abstract
- Einleitung und Fazit
- Die Kapitelüberschriften
Daraus wird klar, ob es relevant ist. Wenn ja, dann lies es im Detail.
2. Mach dir Notizen
Notiere zu jeder Quelle:
- Die Hauptaussage/das Ergebnis
- Die verwendete Methodik
- Wie es sich auf dein Thema bezieht
- Wichtige Zitate (mit Seitenzahl!)
3. Gruppiere nach Themen
Die Literaturübersicht ist keine Liste – sondern eine strukturierte Darstellung. Gruppiere die Quellen nach Themen, Standpunkten oder Zeiträumen.
Was tun, wenn du keinen Zugang zu einem Artikel hast?
Ein häufiges Problem: Du findest den perfekten Artikel, aber der Volltext ist kostenpflichtig. Was kannst du tun?
- Check den Uni-Zugang: Vielleicht hat deine Uni ein Abo – versuch es über das Uni-Netzwerk oder VPN.
- Such auf der Homepage des Autors: Viele Forscher laden ihre Artikel auf ihre persönliche oder institutionelle Webseite hoch.
- ResearchGate: Du kannst direkt beim Autor nach dem Volltext fragen.
- Fernleihe: Die Uni-Bibliothek kann ihn dir aus einer anderen Bibliothek bestellen.
- Schreib den Autor an: Frag per E-Mail nach einer Kopie – die meisten Forscher schicken sie gerne.
Zusammenfassung: Die Schritte der Literaturrecherche
- Bestimme die Keywords (auf Deutsch und Englisch)
- Starte mit Google Scholar für den ersten Überblick
- Nutze die Uni-Datenbanken (Scopus, EBSCO, etc.) für Qualitätsquellen
- Wende die Schneeballmethode an um relevante Artikel zu finden
- Bewerte die Qualität der Quellen (Peer-Review, Zitierhäufigkeit, Autor)
- Nutze ein Literaturverwaltungsprogramm (Zotero oder Mendeley)
- Mach Notizen und gruppiere nach Themen
- Erweitere kontinuierlich die Liste während des Schreibens
Die häufigsten Fehler bei der Literaturrecherche
Aus meiner Erfahrung sind es immer wieder dieselben Fehler, die Studierende bei der Literaturrecherche machen. Hier sind die wichtigsten, die du vermeiden solltest:
Fehler 1: Zu spät anfangen
Die Literaturrecherche ist kein Schritt, den du in einer Woche erledigen kannst. Fang an, sobald dein Thema feststeht – idealerweise mehrere Monate vor der Abgabe. Gute Quellen zu finden braucht Zeit, und manchmal musst du auf Fernleihen warten oder Artikel bestellen.
Fehler 2: Nur auf Deutsch suchen
Die meiste wissenschaftliche Literatur erscheint auf Englisch. Wenn du nur deutsche Suchbegriffe verwendest, verpasst du einen Großteil der relevanten Forschung. Übersetze deine Keywords und suche parallel auf beiden Sprachen.
Fehler 3: Keine systematische Dokumentation
Du findest einen tollen Artikel, liest ihn, aber notierst dir nicht, wo genau du das gelesen hast. Wochen später willst du ihn zitieren – und kannst ihn nicht mehr finden. Nutze von Anfang an ein Literaturverwaltungsprogramm und notiere dir zu jeder Quelle sofort die wichtigsten Informationen.
Fehler 4: Sich in der Literatur verlieren
Es ist leicht, immer mehr und mehr Artikel zu sammeln und nie aufzuhören. Setze dir ein klares Ziel: Was willst du herausfinden? Welche Fragen willst du beantworten? Lies mit einem Fokus und sortiere irrelevante Quellen konsequent aus.
Fehler 5: Nur nach bestätigenden Quellen suchen
Wissenschaftliche Arbeit bedeutet auch, andere Perspektiven zu kennen. Suche aktiv nach Studien, die andere Ergebnisse gefunden haben oder andere Meinungen vertreten. Das macht deine Arbeit ausgewogener und wissenschaftlich fundierter.
Abschließende Tipps für eine erfolgreiche Literaturrecherche:
- Bleib organisiert: Ordner, Tags, Notizen – je strukturierter du arbeitest, desto einfacher wird das Schreiben.
- Lies regelmäßig: Lieber jeden Tag ein bisschen als alles auf einmal.
- Sprich mit deinem Betreuer: Er kann dir wertvolle Literaturhinweise geben.
- Nutze Bibliotheksschulungen: Die meisten Unis bieten kostenlose Kurse zur Datenbankrecherche an.
- Sei kritisch: Nicht jede Quelle ist gleich wertvoll – lerne, Qualität zu erkennen.
Die Literaturrecherche ist zeitaufwendig, aber wenn du sie gut machst, wird das Schreiben viel leichter. Lass es nicht bis zur letzten Minute – fang früh an und erweitere deine Quellenliste kontinuierlich!
Wenn du weitere Fragen zum Schreiben deiner Abschlussarbeit hast, schau dir auch unsere anderen Artikel an!
Bereit, Ihren Text zu prüfen?
Verwenden Sie Pontbot, um KI-Inhalte zu erkennen und Ihren Text umzuschreiben.
Jetzt ausprobieren